Strahlende Spuren – GRS entwickelt Datenbank zu Radionukliden im Trinkwasser

20.07.2020

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Wasser ist Leben. Jedes Lebewesen benötigt Wasser, der Mensch benötigt es zum Trinken, Kochen, zur Körperpflege, zum Abwasch und zum Wäschewaschen. Wenn Wasser nicht destilliert wird, handelt es sich dabei um eine Lösung, in der natürlicherweise Stoffe und Mikroorganismen vorkommen. Nicht anders verhält es sich mit deutschem Leitungswasser. Damit dieses als Trinkwasser eingestuft werden kann, muss gemäß Trinkwasserverordnung (TrinkwV) „durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit“ (§ 4 Abs. 1 TrinkwV) ausgeschlossen sein. Um die Qualität von Trinkwasser zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber verschiedene Kriterien definiert. Neben allgemeineren Indikatoren (Färbung, Geschmack, Geruch etc.) sind das vor allem mikrobiologische und chemische Grenzwerte. Außerdem finden sich in Anlage 3a TrinkwV Grenzwerte für radioaktive Stoffe.

Trinkwasser kann natürlicherweise Uran enthalten

Denn tatsächlich kann Trinkwasser beispielsweise Uran enthalten: Das radioaktive Element ist in Form von mineralischen Verbindungen relativ häufig in der Erdkruste vertreten. Fließt Wasser durch uranhaltiges Gestein, nimmt es das wasserlösliche Schwermetall natürlicherweise auf.

In geringen Mengen konsumiert, müssen radioaktive Stoffe im Allgemeinen und Uran im Speziellen allerdings keine schädigende Wirkung auf die menschliche Gesundheit haben – frei nach Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. Die Grenzwerte sollen sicherstellen, dass diese Dosis in einem für Menschen unbedenklichen Rahmen bleibt. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurden sehr vorsichtige Werte gewählt. Der Grenzwert für Uran beträgt laut TrinkwV beispielsweise 10 μg/l (also 0,00001 g/l), obwohl die Radiotoxizität von Uran laut Umweltbundesamt erst ab 60–90 μg/l gesundheitliche Bedeutung besitzt. Der Richtwert in den USA wurde von der dortigen unabhängigen Regierungsbehörde EPA auf 30 μg/l festgesetzt.

Verpflichtende Messungen auf Radionuklide natürlichen Ursprungs

Mit der Dritten Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung, welche die Richtlinie 2013/51/EURATOM in deutsches Recht umsetzt, wurden 2015 unter anderem Untersuchungspflichten in Bezug auf radioaktive Stoffe (§ 14a TrinkwV) eingeführt. Darin werden Inhaber von bestehenden Wasserversorgungsanlagen verpflichtet, Erstuntersuchungen des Trinkwassers auf Radionuklide natürlichen Ursprungs vorzunehmen, bis November 2019 abzuschließen und die Ergebnisse den zuständigen Behörden der Länder zu melden. Um eventuelle jahreszeitliche oder betriebsbedingte Schwankungen auszugleichen, mussten innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten insgesamt vier Messungen durchgeführt werden.

Solche Messungen sind nicht nur interessant hinsichtlich der Frage, ob das analysierte Trinkwasser den deutschen bzw. europäischen Trinkwasseranforderungen genügt. Auch für den Strahlenschutz sind solche Messwerte relevant, um die natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung über den Trinkwasserpfad besser bewerten zu können. Daher hatte beispielsweise das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zwischen 2003 und 2008 ein Untersuchungsprogramm über den Gehalt an natürlichen Radionukliden in Trinkwasser. Bei der damaligen Untersuchung beschränkte man sich wegen des enormen Arbeitsaufwandes auf Schwerpunkte: So wurden nur ausgewählte Standorte untersucht und einmalige Proben genommen.

Daten von rund 15.000 Wasserversorgungsanlagen

Aufgrund der EU-Richtlinie mussten nun sämtliche der rund 15.000 Wasserversorgungsanlagen ihr Wasser auf Radionuklide hin messen. Das BfS hat in dem Zusammenhang die GRS damit beauftragt, sämtliche Wasserversorgungsanlagen in Deutschland zu ermitteln und die dort gemessenen Werte abzufragen. Zusätzlich soll das Forscherteam eine zentrale Datenbank erstellen und dort für den Strahlenschutz relevante Informationen zu den Wasserversorgungsanlagen zusammenführen. Das betrifft beispielsweise

  • allgemeine Informationen zu der Wasserversorgungsanlage,
  • Ergebnisse nach Anlage Зa TrinkwV aufgeschlüsselt nach den einzelnen Quartalsmessungen für Radon und den Messgrößen, die zur Bewertung der Richtdosis herangezogen wurden,
  • Herkunft und Aufbereitung des Wassers inklusive der geologischen Angaben zum Untergrund,
  • weitere nach TrinkwV zu erhebende Parameter, welche für die Betrachtung und Charakterisierung relevant sein könnten.

Daten ermöglichen detailliertere Bewertung der Strahlenexposition

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sollen die von den Wasserversorgungsanlagen erhobenen Daten zur Anlage 3a dahingehend prüfen, ob sie den Anforderungen der Trinkwasserverordnung und dem „Leitfaden zur Untersuchung und Bewertung von radioaktiven Stoffen im Trinkwasser bei der Umsetzung der Trinkwasserverordnung“ genügen. Der Leitfaden war 2017 vom Bundesumweltministerium herausgegeben worden und enthält Empfehlungen von Bundesgesundheitsministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, Umweltbundesamt, den zuständigen Landesbehörden, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches und Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Aus den aufbereiteten Daten will sich das BfS einen umfänglichen räumlichen und zeitlichen Überblick über die Radionuklidgehalte natürlichen Ursprungs im Trinkwasser in Deutschland verschaffen. Dadurch können die Expertinnen und Experten die Strahlenexposition der Bevölkerung detaillierter bewerten und erforderlichenfalls Schutzkonzepte ableiten. Weiterhin könnten dezidiertere Empfehlungen für Betreiber von Wasserversorgungsanlagen sowie für die zuständigen Gesundheitsämter ausgesprochen, die Bevölkerung spezifischer informiert und Gremienarbeit (z.B. WHO, IAEA) effektiver begleitet werden.

Das Projekt startet am ersten August und ist auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgelegt.